Der Schleswig-Holstein-Blueprint – 80 Prozent LibreOffice-Migration und was Länder, Kommunen und KMU im Herbst 2026 daraus nachbauen können
Der Schleswig-Holstein-Blueprint – 80 Prozent LibreOffice-Migration und was Länder, Kommunen und KMU im Herbst 2026 daraus nachbauen können
Am 24. August 2026 ist die Angebotsfrist für die neue Microsoft-Enterprise-Agreement-Vergabe in Baden-Württemberg abgelaufen – wenige Tage nach den Fristen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Während Landes-Vergabestellen ihre Angebote sichten, hat Schleswig-Holstein einen anderen Weg still fortgeführt: Bis August 2026 sind rund 80 Prozent der 30.000 Landesarbeitsplätze auf LibreOffice migriert, 44.000 Postfächer laufen auf Open-Xchange und Thunderbird, Nextcloud ersetzt SharePoint Schritt für Schritt. Die jährliche Ersparnis: über 15 Millionen Euro an Lizenzkosten. Der Blueprint ist damit nicht mehr Prognose, sondern gemessene Realität. Für Kommunen, Länder und KMU, die die Herbst-Ausschreibungen nutzen wollen, wird die Frage konkret: Was ist an dem Blueprint übertragbar – und was nicht.
Was Schleswig-Holstein bis August 2026 tatsächlich erreicht hat
Am 4. Dezember 2025 veröffentlichte der Chef der Staatskanzlei und Digitalminister Dirk Schrödter die Zwischenbilanz. Seither hat sich die Migration weiter beschleunigt. Die harten Zahlen aus den offiziellen Landesberichten und aus Recherchen von heise online und HiSolutions:
- 80 Prozent der Landesarbeitsplätze nutzen LibreOffice als Standard-Office-Suite.
- 44.000 Postfächer wurden von Exchange auf Open-Xchange umgestellt.
- Rund 100 Millionen E-Mails und Kalenderobjekte wurden fehlerfrei migriert.
- 15 Millionen Euro Lizenzkosten fallen jährlich weg.
- 9 Millionen Euro einmalige Migrations- und Entwicklungskosten fließen in 2026.
- Ende 2026 soll die vollständige Umstellung der Landesverwaltung abgeschlossen sein.
Die Kernbotschaft: Die Migration ist wirtschaftlich, technisch machbar und operativ stabil. Sie ist kein Pilot mehr, sondern Produktion.
Die sechs Säulen des Blueprint
Der Schleswig-Holstein-Stack ist bewusst modular. Er lässt sich Baustein für Baustein einführen – ohne Big-Bang-Migration:
- LibreOffice als Ersatz für Word, Excel und PowerPoint.
- Open-Xchange plus Thunderbird als Ersatz für Exchange und Outlook.
- Nextcloud für Dateiablage, Freigaben und kollaborative Bearbeitung – ersetzt SharePoint und OneDrive schrittweise.
- Linux als Desktop-Betriebssystem, mittelfristig als Ersatz für Windows.
- Univention Corporate Server als Verzeichnisdienst und Identity-Provider – Ersatz für Active Directory.
- OpenTalk für Videokonferenzen und Telefonie – Ersatz für Teams-Anrufe und Konferenzräume.
Die Kombination deckt den kompletten Verwaltungsarbeitsplatz ab. Für die Cloud-Basis nutzt das Land eine Kombination aus eigenem Rechenzentrum in Kiel und dem interkommunalen Anbieter Dataport. Weder Microsoft Azure noch Amazon Web Services sind Teil der Architektur.
Warum der Blueprint mit 15 Millionen Euro Ersparnis pro Jahr rechnet
Der Business Case ist rechnerisch nachvollziehbar. Die vermiedenen Kosten setzen sich aus drei Blöcken zusammen: Lizenzgebühren für Microsoft 365 E3/E5, Azure-Betriebskosten für Exchange Online und Teams, sowie Aufwände für Datenschutz-Folgenabschätzungen, die bei jeder neuen Cloud-Version fällig werden. Der Einmalinvest von 9 Millionen Euro amortisiert sich nach knapp acht Monaten. Die Struktur entspricht dem, was wir für vergleichbare Landes- und Bundesverfahren im Beitrag zur Operation Souveränität des Bundestages und zur EuroOffice-Alternative durchgerechnet haben: souveräne Stacks liegen über 36 Monate rund 40 bis 55 Prozent unter der Microsoft-Vergleichsrechnung.
Was Kommunen und KMU vom Blueprint direkt kopieren können
Der Blueprint ist explizit für Nachnutzung konzipiert. Schleswig-Holstein stellt Konfigurationsprofile, Migrations-Skripte und Betriebs-Playbooks unter offener Lizenz zur Verfügung. Für kommunale IT-Leitungen und mittelständische Unternehmen sind vier Elemente sofort einsetzbar:
- Die Open-Xchange-Referenzarchitektur inklusive Migrations-Toolchain aus Exchange – funktioniert auch für KMU mit 20 bis 500 Postfächern (siehe Nextcloud für KMU).
- Die Nextcloud-Konfiguration für dokumentenbasierte Zusammenarbeit mit Collabora Online.
- Die LibreOffice-Deployment-Templates samt Vorlagen für Behördenformulare und Formulare mit elektronischer Signatur.
- Die Univention-Blaupause für Verzeichnisdienste, die ein bestehendes Active Directory schrittweise ersetzt, ohne dass Endanwender es merken.
Die kategorisierte Anbieterübersicht mit deutschen und europäischen Betreibern für alle sechs Bausteine liegt unter /alternativen. Für Vergabestellen ergänzt sie sich mit dem OpenDesk-Vertriebspartnerprogramm des Bundes, das seit Anfang 2026 Beschaffungs- und Support-Wege standardisiert.
Wo der Blueprint stockt – und wie man die 20 Prozent löst
Die verbleibenden 20 Prozent sind in der Regel Fachanwendungen mit harten Windows- oder Microsoft-Office-Abhängigkeiten – etwa Einwohnermelde-Software, Fachverfahren im Grundbuch oder branchenspezifische ERP-Systeme. Der Weg in Schleswig-Holstein: Sammelaufkauf über die Länderkooperation, Verhandlung mit Fachverfahrensherstellern über native Linux- oder Web-Portierungen und – wo unvermeidbar – gezielter Betrieb einzelner Windows-Terminalserver für Fachanwender. Die Regel bleibt: Der Standardarbeitsplatz ist souverän, die Ausnahmen sind dokumentiert und begrenzt. Wer die Systematik übernehmen will, findet den Grundvergleich Microsoft vs. Open Source als Einstiegsmatrix.
Fazit und nächste Schritte
Der Schleswig-Holstein-Blueprint ist die derzeit einzige landesweite Referenz, in der digitale Souveränität nicht nur gefordert, sondern bereits über 30.000 Arbeitsplätze operativ betrieben wird. Für Landes- und Kommunalverwaltungen, die die Ausschreibungen in NRW, Niedersachsen und Baden-Württemberg mit einer souveränen Nachfolgeoption absichern wollen, ist die Blaupause frei nutzbar. Für die Praxis empfehlen wir drei Schritte: Erstens die Live-Analyse Ihrer Microsoft-365-Datenflüsse unter /microsoft. Zweitens die Anbietermatrix unter /alternativen. Drittens ein Erstgespräch über /contact zur Migrationsplanung auf Basis des Schleswig-Holstein-Stacks. Preisorientierung für Verwaltungen und KMU finden Sie unter /pricing.
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